Streit bei Thüringer Grünen

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Bild: ddp
Henfling wegen Vorschlag zur Schulpolitik «jugendlicher Übermut» vorgeworfen
Schlagworte:  Parteien Grüne 
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Erfurt (ddp-lth). Bei den Thüringer Grünen gibt es Streit. Grünen-Landessprecherin Madeleine Henfling wurde am Dienstag wegen Vorschlägen zur Zukunft des Thüringer Schulsystems aus den eigenen Reihen attackiert. Die Grünen-Fraktionschefin im Erfurter Stadtparlament, Kathrin Hoyer, warf Henfling am Dienstag «jugendlichen Übermut» vor. Die 26-jährige Politikerin und die Landtagsfraktion wiesen die Kritik zurück.

Henfling, die seit rund 100 Tagen im Amt ist, hatte am Montag für längeres gemeinsames Lernen und die konsequente Einführung der Gemeinschaftsschule plädiert. In diesem Zusammenhang sprach sie auch von der Abschaffung der Gymnasien.

Hoyer sagte, die Grünen seien immer für Vielfalt im Schulsystem gewesen. Dieses müsse auf lange Sicht alle Schüler angemessen fördern. Gymnasien hätten in diesem Zusammenhang genauso ihre Existenzberechtigung wie andere Schulformen. Sie halte es für falsch, ein einheitliches System durchzusetzen, welches keine Chancen der Anpassung an persönliche Interessen, lokale Besonderheiten und demografische Entwicklungen biete.

Henfling sprach auf ddp-Anfrage von einem «Missverständnis» und präzisierte ihre Äußerung. Sie sei für die Einführung einer Gemeinschaftsschule mit neunjährigem gemeinsamen Lernen. Dies bedeute, dass das Gymnasium «in seiner jetzigen Form» nicht mehr existiere. Es werde vielmehr auf eine dreijährige Oberstufe reduziert.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Astrid Rothe-Beinlich, betonte, die Grünen stellten zwar das gegliederte Schulsystem infrage, wollten aber «mitnichten das Gymnasium ganz abschaffen». Die Aussage von Henfling sei zunächst «falsch herübergekommen». Darüber gleich einen Streit auszutragen, sei «nicht richtig», sagte Rothe-Beinlich.

Unterdessen bezeichnete der CDU-Bildungsexperte Volker Emde eine Abschaffung der Gymnasien als «völlig indiskutabel». Ein differenziertes und durchlässiges Schulsystem biete begabungsgerechte Lernbedingungen und vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten. Das Thüringer Schulsystem sei wenig selektiv und obendrein leistungsfähig, wie aus zahlreichen Vergleichsuntersuchungen hervorgehe, sagte Emde.

(ddp)

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