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Weg mit der Hemmschwelle
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| Bild: ddp | |
| Notruf für homosexuelle Opfer rechter Gewalt eingerichtet | |
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Schlagworte: Gesellschaft Homosexualität ( Gesellschaft Homosexualität ) |
Potsdam (ddp-lbg). Eric Hein weiß, wie man sich als Opfer fühlt. Neonazis haben ihn in Eberswalde beschimpft, bespuckt und verprügelt. Der Grund? «Na, weil ich schwul bin», sagt er. Hein ging zur Polizei, wollte Anzeige erstatten. Von dem Beamten fühlte er sich nicht ernstgenommen, daraufhin drehte sich Hein um und ging. Der 24-Jährige ist sicher: «Wenn es damals ein Überfalltelefon gegeben hätte, ich hätte sofort angerufen.» Jetzt gibt es in Brandenburg einen Notruf für schwule und lesbische Opfer rechter Gewalt: Am Dienstag wurde in Potsdam im Büro der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange (LKS) das Überfalltelefon offiziell freigeschaltet.
LKS-Chefin Gabriele Kerntopf betonte: «Ich hoffe, dass das Telefon selten klingelt.» Nach Ansicht von Experten gibt es in Brandenburg häufig Übergriffe auf Schwule und Lesben. Das Projekt wolle die Opfer auf ihrem Weg begleiten, sagte Kerntopf. Je nach Bedarf erhalten sie Hilfe bei der Verarbeitung des Gewalterlebnisses, werden zur Polizei oder zum Gericht begleitet und bekommen einen Rechtsanwalt vermittelt.
Eric Hein vom Vorstand des Vereins AndersArtig glaubt, dass ein Überfalltelefon in Notfällen Sicherheit gibt. Gerade in ländlichen Regionen Brandenburgs sei Hilfe notwendig. Schwule und Lesben fühlten sich oft allein gelassen, sagte er. Einige würden ihre Homosexualität aus Angst verstecken. Auch Hein hat in Eberswalde nach der Attacke die Straßenseite gewechselt, wenn er Jugendliche mit Glatze und Springerstiefeln erblickte. Er erinnert sich noch gut an den Nachmittag im Sommer vor acht Jahren. Damals war er 16 Jahre alt und hatte sich gerade offen zu seiner Homosexualität bekannt: «Das spricht sich in der Kleinstadt schnell rum.»
Hein war mit seinem Freund unterwegs zu einer Party, als auf einer Parkband zwei Neonazis saßen. Sie gingen in dieselbe Schule, die auch Heins Freund besuchte. Sie waren betrunken und pöbelten das homosexuelle Paar an, der Ton wurde aggressiv. «Schnauze, du schwule Sau», rief einer. Die beiden Jungen wollten schnell weitergehen, doch es war zu spät. Ein Neonazi schlug mit der Faust ins Gesicht des Schulkameraden, auch Hein bekam Schläge ab. Sie rannten so schnell sie konnten.
Zunächst trauten sich die beiden Schüler nicht, zur Polizei zu gehen. Sie hatten Angst, dass die Neonazis ihre Adresse erfahren und mit ihren Kumpels plötzlich vor der Haustür stehen. Hein nahm schließlich seinen Mut zusammen: «Ich wollte das nicht auf sich beruhen lassen.» Der Freund weigerte sich, er sah die rechten Schläger jeden Tag auf dem Schulhof. Bei einer erneuten Pöbelei wenig später sparte sich auch Hein den Weg zum Präsidium. «Heute würde ich bei der Polizei auf den Tisch hauen», betonte er.
Ähnlich wie bei Hein und seinem Freund kommt es laut LKS-Chefin Kerntopf selten zu einer Anzeige. Für die Opfer sei die Hemmschwelle zu hoch. Hier setze das Telefon an. «Es ist leichter, wenn da jemand sitzt, der sich mit der Thematik Lesben und Schwule auskennt», unterstrich die Leiterin. An dem Projekt beteiligen sich unter anderem die Opferhilfe Brandenburg, die Polizeigewerkschaften, die Vereinigung Nebenklage sowie der Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter.
Marco Klingberg vom Vorstand des Aktionsbündnisses AndersArtig sagte, dass Schätzungen zufolge über 90 Prozent der schwulen und lesbischen Gewaltopfer nicht zur Polizei gehen. Die Bandbreite der Straftaten reiche von Beleidigung und Körperverletzung bis hin zu Mord. Es gebe ein hohes Dunkelfeld, betonte Klingberg. Deshalb brauche es das Überfalltelefon: «Wir wollen, dass die Straftaten bekannt und die Täter verfolgt werden.»
(ddp)
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1 • "Die Polizei ist kein Reparaturbetrieb der Gesellschaft"
Politik 28 April, 2012 10:36:40 dapd


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