Heimkinder drohen mit Klage vor Menschenrechtsgerichtshof

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Bild: dapd
Leid der Opfer endlich anerkennen
Schlagworte:  Soziales Missbrauch Heimkinder 
Soziales Missbrauch Heimkinder )

Berlin (dapd). Betroffene haben den Runden Tisch Heimerziehung als "Farce" kritisiert und weitere juristische Auseinandersetzungen angedroht. "Sollten unsere Forderungen nicht erfüllt werden, gehen wir durch alle Gerichtsinstanzen in Deutschland und bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte", sagte die Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder, Monika Tschapek-Güntner, der Nachrichtenagentur dapd.

Der Verein hatte am Anfang mit am Tisch gesessen, war nach Unstimmigkeiten jedoch aus der Runde ausgeschieden. Am Freitag beendete das Gremium seine Beratungen nach fast zwei Jahren. Der Abschlussbericht sollte am Montag in Berlin offiziell vorgestellt werden. Die Vorsitzende des Runden Tisches, die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne), hat bereits angekündigt, das Gremium wolle zur Entschädigung ehemaliger Heimkinder eine Stiftung vorschlagen.

Der Runde Tisch habe bei seinen abschließenden Beratungen am Freitag in Berlin eine Bundesstiftung empfohlen, die mit 120 Millionen Euro ausgestattet werden soll, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die Kosten dafür sollten zwischen Bund, Ländern und Kirchen gedrittelt werden.

Die beiden Kirchen sowie Caritas und Diakonie hätten angekündigt, in die Stiftung einzuzahlen, heißt es in dem Blatt weiter. Auch die Beteiligung des Bundes gelte als wahrscheinlich. Über die Zusagen aus den Ländern werde wohl erst im Jahr 2011 eine Entscheidung fallen.

Die Stiftung solle früheren Heimkindern nach einer Einzelfallprüfung Therapien ermöglichen und sie, wenn sie in den Heimen zur Arbeit gezwungen wurden, für entgangene Rentenbeiträge entschädigen. Ehemalige Heimkinder könnten so zwischen 2.000 und 4.000 Euro erhalten.

Leid der Opfer endlich anerkennen

Dagegen fordert der Verein ehemaliger Heimkinder eine monatliche Entschädigung von 300 Euro für alle Opfer von Gewalt und Demütigungen in deutschen Kinderheimen bis in die 70er Jahre - oder wahlweise eine Einmalzahlung in Höhe von 54.000 Euro. Zusätzlich müsse es einen Finanztopf für die Behandlung traumatisierter Opfer geben und Anlaufstellen für Betroffene in allen Bundesländern, verlangte Tschapek-Güntner.

Außerdem müsse das Leid der Opfer endlich anerkannt werden. Beim Runden Tisch sei das nicht passiert. "Da wurde bagatellisiert", kritisierte sie.

Etwa 700.000 bis 800.000 Kinder und Jugendliche hatten zwischen 1949 und 1975 in Heimen in der Bundesrepublik gelebt. Vielerorts gab es Gewalt und Demütigungen. Zur Aufarbeitung der Fälle nahm im Februar 2009 der Runde Tisch mit Vertretern von Bund, Ländern, Kirchen und Heimträgern sowie Wissenschaftlern und einzelnen Betroffenen seine Arbeit auf.

dapd

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