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Renten steigen ab Juli um gut zwei Prozent
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| Sozialverbände reagieren enttäuscht - In der "eisernen Reserve" liegen gut 23 Milliarden Euro | |
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Schlagworte: Kabinett Soziales Rente ( Kabinett Soziales Rente ) |
Berlin (dapd). Gute Nachrichten für die 20 Millionen Rentner in Deutschland: Sie erwartet ab Juli eine spürbare Rentenerhöhung. Die Bundesregierung in Berlin hat am Mittwoch beschlossen, dass die Altersbezüge im Westen um 2,18 Prozent steigen und im Osten um 2,26 Prozent. Bei 1.000 Euro Rente ergibt dies umgerechnet ein Plus von 22 Euro. Die Sozialverbände reagierten aber enttäuscht und monierten, die Rentner blieben beim Aufschwung außen vor.
Grund für den Aufschlag sind vor allem die im Boomjahr 2011 gestiegenen Löhne und die gesunkene Arbeitslosigkeit. Dadurch ist die Rentenkasse so voll wie schon lange nicht mehr. In der "eisernen Reserve" der Rentenkasse lagen Ende Februar noch gut 23 Milliarden Euro - gut fünf Milliarden mehr als im Januar 2011. Und das, obwohl der Rentenbeitrag zum 1. Januar von 19,9 auf 19,6 Prozent gesunken ist. Die Entlastung für Beschäftigte und Arbeitgeber betrug allein in diesem Jahr 2,6 Milliarden Euro.
Das Sozialministerium erklärte, die kräftige Rentensteigerung, die gut gefüllte Rücklage und die Beitragssenkung seien zusammen "Ausweis des stabilen, demografiefesten gesetzlichen Rentensystems". Zum ersten Juli 2011 hatten sich die Rentner mit einem lediglich kleinen Plus von 0,99 Prozent begnügen müssen.
Der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, kritisierte, dass aber auch die diesjährige Anpassung die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre nicht auffange. "Ohne die Kürzungsfaktoren wäre ein Rentenanstieg von bis zu fünf Prozent möglich."
Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, rechnete vor, dass seit 2004 die Rentner einen Kaufkraftverlust von fast neun Prozent hinnehmen mussten. "Hinzu kommt, dass die aktuelle Rentenerhöhung nicht einmal die Inflation von derzeit 2,3 Prozent ausgleicht. Das heißt: Die Rentner müssen real schon wieder etwas drauflegen."
Bundessozialministerin Ursula von der Leyen will bis zur Sommerpause ein Gesetzespaket zur Rentenreform vorlegen. Ziel ist der Kampf gegen Altersarmut.
Geplant ist unter anderem die Einführung einer Zuschussrente. Geringverdiener, die lange gearbeitet und zugleich privat vorgesorgt haben, sollen im Ruhestand nicht auf Hartz-IV angewiesen seien. Die Wirtschaft warnt schon vor einer milliardenschweren Belastung.
Nach Angaben des Arbeitsministeriums sind von den 16,8 Millionen Senioren ab 65 Jahren derzeit rund 400.000 auf Leistungen aus der Grundsicherung im Alter angewiesen. Von der Zuschussrente würden nach Angaben des Ministeriums im Einführungsjahr 2013 rund 50.000 Rentner profitieren. Im Jahr 2030 würden es demnach 1,4 Millionen Menschen sein. Das Ministerium rechnet im ersten Jahr mit Kosten von rund 90 Millionen Euro, die auf rund 3,4 Milliarden Euro im Jahr 2030 ansteigen würden.
dapd
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