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Nach Hessen in den Spargel
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| Westdeutsche Landwirte werben in Nordostbrandenburg um Saisonkräfte für die Ernte | |
| Schlagworte: Arbeitsmarkt |
Eberswalde (ddp-lbg). Ralf Harms aus dem uckermärkischen Zichow hat wieder einen Arbeitsvertrag abgeschlossen: Er geht für zehn Wochen in die Spargelernte nach Hessen, in die Nähe von Darmstadt. «Dort werde ich als Kraftfahrer den Spargel zu den Verkaufsständen fahren. Das ist besser als hier herumzusitzen», sagt der gelernte Agrotechniker. In seiner Heimat fällt es ihm schwer, einen Job zu finden. Er hangelt sich von einer Gelegenheitsbeschäftigung zur nächsten, hat auch einige Zeit als Pflasterer und in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) zugebracht.
Harms ist einer von über 100 Arbeitssuchenden aus dem Arbeitsagenturbezirk Eberswalde, die an einer am Dienstag zu Ende gegangenen, zweitägigen Informationsveranstaltung der hessischen Landwirte in Eberswalde teilnahmen. Über 70 Arbeitsverträge für Saisonarbeit in der Spargelernte wurden sofort abgeschlossen, weitere stehen in Aussicht. «Und wir könnten noch mehr gebrauchen. Mir fehlen beispielsweise noch 30 Kraftfahrer, die den Spargel nach der Ernte ausfahren», sagt die Landwirtin Gabi Mager aus Weiterstadt bei Darmstadt.
Bereits das dritte Jahr in Folge ziehen Erntehelfer aus Nordostbrandenburg nach Hessen, um bei der Ernte auszuhelfen. «Wer es möchte, kann das ganze Jahr bei uns bleiben. Es geht mit dem Spargel los, dann kommen die Erdbeeren, später das Obst, im Herbst der Kohl», berichtet Peter Gheorgean vom hessischen Bauernverband. Die Hilfe aus Ostdeutschland kam wie gerufen, die Kontingente an ausländischen Erntehelfern reichten nicht mehr aus.
Der Kontakt zwischen Hessen und der Region Barnim/Uckermark entstand zufällig: «Bei einer Tagung sind zwei Landwirtschaftsfachvermittler aus Eberswalde und Darmstadt miteinander ins Gespräch gekommen», erinnert sich Gheorgean. Sie organisierten den Transfer der Saisonkräfte. Über 100 Brandenburger machten sich vor zwei Jahren auf den Weg, im vergangenen Jahr zogen 155 Saison-Helfer aus dem Nordosten des Landes für mehrere Wochen in die Region Darmstadt.
Der Zug der Erntehelfer nach Hessen hat aus Sicht der Eberswalder Arbeitsberaterin Sylvia Rummler zwei Gründe: «Zum einen werden dort viel mehr Saisonkräfte für die Ernte und den Verkauf gesucht als hier im Nordosten Brandenburgs», sagt sie. Zum anderen zahle die hessische Landwirtschaft besser. 6,50 Euro gibt es den Angaben zufolge pro Stunde für die Helfer im Verkauf, Kraftfahrer können unter Umständen noch mehr verdienen.
Dazu legt die Arbeitsagentur nach ihren Angaben noch eine Aufwandsentschädigung von bis zu 20 Euro pro Arbeitstag obendrauf. Essen und Logis sind für die Helfer bei den meisten Arbeitgebern kostenlos. Manche von denen, die nur zur Saison nach Hessen ziehen, haben Glück und finden einen dauerhaften Job. 21 Erntehelfer haben im vergangenen Jahr eine solche Stelle erhalten, wie Sylvia Rummler sagt.
So reihen sich die brandenburgischen Erntehelfer in die europäische «Wanderungsbewegung» ein. Die Weißrussen kommen nach Polen, die Polen gehen nach Deutschland. Und ostdeutsche Saisonhelfer werden von holländischen und westdeutschen Landwirten umworben. Für den Chef der Eberswalder Arbeitsagentur Christian Ramm ist das in Ordnung: «Wir sind dafür da, den Menschen bei der Arbeitssuche zu helfen. Und wenn sie für einen gewissen Zeitraum Arbeit außerhalb ihrer Heimat - in den alten Bundesländern beispielsweise - finden, ist das gut», sagt er.
Auch Ralf Harms fährt jetzt zum zweiten Mal in die Saisonarbeit nach Hessen. Wie im vergangenen Jahr will er wieder zehn Wochen bleiben. Er habe dort sieben Tagen die Woche vom Aufstehen bis manchmal in die Nacht gearbeitet. «Bis knapp 1000 Euro netto den Monat habe ich verdient», berichtet er. Kost und Logis wurden in seinem Fall abgezogen.
(ddp)
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